3. November 2021
Die meisten Gäste der Attila haben auf ihrer Fahrt über die drei Seen ein besonderes Schiff gekreuzt: die MS Jura. Ehemals ein modernes Passagierschiff, bietet sie nun seit bald 30 Jahren Fahrten mit Übernachtungsmöglichkeit an. Die meisten Gäste sind Schulklassen, Institutionen, Themen-Lager oder Private. Da das Projekt MS Jura nicht selbsttragend funktionieren kann, sind Sponsoren und Gönner stets sehr willkommen. Wir haben den Schiffsführer David Weber getroffen.
Ich bin einer der Schiffsführer der MS Jura und kümmere mich zusammen mit den anderen Crewmitgliedern und Genossenschaftern um den technischen Unterhalt. Meine Ausbildung zum Matrosen und später zum Kapitän absolvierte ich auf dem Rhein, wo ich als Schiffsjunge begann. Vor ungefähr 25 Jahren wurde ich angefragt, ob ich die MS Jura fahren möchte. Ich fand das Projekt sofort eine coole Sache und bin seither mit einigen Unterbrechungen auf dem Schiff tätig. Ich bin also hier hängengeblieben (lacht).
Die MS Jura war bereits 1932 im Einsatz, als das erste Diesel-Schraubenschiff auf den Schweizer Seen. Damals gehörte sie zur BSG-Flotte und galt als topmodernes Schiff. Nun braucht es verständlicherweise viel Zeit und Engagement, um sie in Form zu halten. So muss man zum Teil das halbe Schiff auseinanderbauen, um manche Schäden beheben zu können. Sie ist viel komplizierter gebaut als moderne Schiffe. Ich kann diese Arbeiten ausführen, da ich bereits als 16-Jähriger auf dem Rhein gelernt habe, auch alte Schiffe zu unterhalten und zu restaurieren.
Unsere Gäste sind vor allem Schulklassen, welche ihre Landschulwochen auf dem Schiff verbringen, oder Institutionen, die sich um Menschen mit einer Beeinträchtigung kümmern. Zudem ist es ein attraktives Angebot für Themenwochen wie WWF-Lager, Piratenlager oder Pfadilager. Und wenn wir nicht ausgelastet sind, kann das Schiff auch von Privaten für Familienferien oder an Wochenenden gebucht werden. Attraktiv ist sicherlich, dass man an Bord übernachten kann – Kapazität für 60 Personen, 26 Schlafplätze. Allerdings nicht so exklusiv und komfortabel wie auf der Attila: Unser Schiff bietet ein Gruppen-Feeling.
Das hängt stark mit meinem persönlichen Befinden zusammen. Momentan gefällt mir der Murtensee sehr gut, weil er so ruhig ist. Grundsätzlich gefällt mir aber der Bielersee am besten. Brauche ich mehr Action und Abenteuer, bevorzuge ich den Neuenburgersee. Dasselbe beobachte ich bei unseren Gästen – das Schöne ist, dass wir auf ihre Bedürfnisse eingehen und unsere Route anpassen können.
Das habe ich bereits! Es ist ein attraktives Boot und eine interessante Ergänzung zum Angebot auf den drei Seen. Die MS Jura ist eher für junge, unkomplizierte Gäste, welche das Jugendherberge-Feeling suchen. Die Attila bietet eine völlig andere Atmosphäre mit Hotelzimmern, Lounge und mehr. Wir haben uns gut arrangiert und bewegen uns beide in dieser wunderschönen Region.